Wir wussten, dass uns eine lange Fahrt bevorstand, Ziel war das 400 km entfernte Rockhampton, es war aber am Morgen noch nicht sicher, ob wir das auch schaffen, immerhin veranschlagte der Routenplaner für die Strecke fast 5 Stunden Fahrzeit. Die Fahrt verlief ereignislos um nicht zu sagen langweilig und wurde mehrmals durch Strassenarbeiten verlängert. Rockhampton ist das Tor zu den Tropen, überschreitet man doch kurz vor der Stadt den südlichen Wendekreis. Kurz nach 17 Uhr hatten wir es geschafft, wir konnten Dusty auf dem Camping parkieren. Big4 sei Dank, auch hier gab es ein Hüpfkissen und einen Spielplatz und so konnten Lena und Yael ihren Bewegungsdrang doch noch ein wenig ausleben.

Und dann nochmals ein Tag auf der Strasse: Ziel dieses Mal Mackay. Wir kamen so gegen 16 Uhr dort an. Leider war der erste Camping besetzt, der zweite dann auch und der eine, der momentan in Umbau ist, lag fast 15 km in die falsche Richtung. Was nun? Motel? Wild campen? Den erstbesten Camping? Oder doch schon das Ziel, welches für morgen geplant gewesen wäre anpeilen? Nach kurzem Familienrat entschieden wir uns für die letzte Variante. Also schoben wir den Girls noch 2 DVDs rein und nahmen die 160 km nach Airlie Beach auch noch unter die Räder. Wir kamen dann abends um 18.58 Uhr an, 2 Minuten bevor die Reception schloss.

Nach einem Ruhetag in Airlie Beach war es dann so weit. Wir freuten uns schon lange auf die acht Tage, die wir auf dem Schiff verbringen und die Whitsundays durchqueren würden. Die Whitsunday Islands umfassen 74 einzelne Inseln, von denen nur ein paar wenige bewohnt sind. Sie gelten mit ihrem türkis-blauen Meer und den unglaublich weissen Stränden als Paradies auf Erden. Wir fuhren wir zur Abel Point Marina. Dort trafen wir unseren Vercharterer. Bald waren wir auf dem Schiff und dort begannen wir dann den Inhalt von acht grossen Schaumstoff-Boxen in 2 Kühlschränke und 2 Stauräume zu versorgen. Ein Lebensmittel-Service hatte unsere Wochenration an Essen und Trinken geliefert. Danach folgte ein anderthalbstündiges Briefing zum Gebiet, zur Navigation, Gezeiten, Gefahren und Besonderheiten. Anschliessend wurde uns das Handling des Schiffes erklärt. Ab Mittag war dann noch Praxis angesagt: aus dem Hafen raussteuern, an einer Muring-Tonne anlegen sowie ankern.

Nun, alles in allem nicht für jedermann machbar aber glücklicherweise nicht so schlimm, wie die vielen, vielen Seiten im Handbuch im Vorfeld befürchten liessen…

Zwei Unterschriften später waren wir unterwegs und fuhren 2 ½ Stunden lang zur Insel Hook, wo wir dann im Nara Inlet Anker warfen. Ehrensache, dass die Mädchen beide schon längere Zeit steuern durften - schliesslich haben sie bei Käpt'n Franz auf dem Sarnersee geübt! Und man darf sagen, sie haben das wirklich gut gemacht. Nach dem Ankern war dann auch schon unser erster Funkkontakt mit dem Vercharterer dran. Alle Charterschiffe müssen sich jeweils am Morgen und Abend mit ihrer aktuellen Position und ihren Plänen für den Tag beim Vercharterer melden und gleichzeitig wird jeweils die aktuelle Wetterprognose durchgegeben. Wir waren schon etwas stolz, dass wir unseren ersten Törntag gut gemeistert hatten, auch wenn es nicht gerade eine Americas Cup Leistung erforderte.

Nachtessen gab es natürlich an Bord. Die grösste Herausforderung bestand zuerst mal darin, wieder herauszufinden, was wir in der Eile des Beladens wohin gestopft hatten. Als wir dann auf Deck sassen und ein fast voller Mond auf den fjordähnlichen Wasserarm schien, war es definitiv der beste Ort auf Erden. Für solche Momente reisen wir!

Die erste Nacht war relativ ruppig, der Wind blies nämlich ausserhalb von unserem Ankerplatz recht kräftig und auch wir bekamen unseren Teil an Schaukelei ab.

Es gab ein Morgenessen an Deck in feinem Sonnenschein. danach liessen wir unser Dingi zu Wasser - was bei der Schaukelei nicht so einfach ist. Wir besuchten dann eine historische Aboriginal Stätte mit einigen Felszeichnungen. Die Rückfahrt, besonders das Ablegen gestaltete sich etwas schwieriger, die Wellen und unser Aussenborder machten uns das Leben schwer. Von der Rückkehr auf das Schiff ganz zu schweigen. Und irgendwo dort geschah es: Hansruedis kompakte Kamera verabschiedete sich zwischen Strand und Schiff aus der nicht ganz geschlossenen Gürteltasche. Nun das war ärgerlich. Wir liessen das Dingi wieder zu Wasser, Hansruedi ging suchen, fand sie aber nicht.

Die Überfahrt nach Cid Harbour war dann auch nicht von schlechten Eltern, unsere brave SeaAssta bockte und rollte und die Wellen spritzten so hoch, dass es bis an die Fenster vom oberen Steuerstand reichte.

An unserem neuen Ankerplatz war es zum Glück viel ruhiger (leichtes Schaukeln gehört dazu) und wir drehte eine Runde mit dem Beiboot. Leider lockte der angepeilte Strand nur beschränkt zum Burgenbau, daher halt noch etwas mehr Dingi-Tour. Dafür sahen wir immer wieder Schildkröten auftauchen, von denen es in der Bucht sehr viele gibt.

Dieses Mal war die Nacht ziemlich ruhig, der morgen hingegen etwas bedeckt. Nach dem Frühstück hoben wir Anker und machten uns auf die rund 2-stündige Fahrt nach Hamilton Island, eine kleine Stadt mit ein paar Ressorts, Flughafen und einem Hafen. Vor selbigem mussten wir dann fast 20' kreuzen, bevor wir die Erlaubnis zum Einlaufen erhielten. Ein Lotse kam uns einweisen. Für rund 100.- gab es Dusche, Kehrichtentsorgung, Wasser aber auch den Zutritt zu den Hotels. So fuhren wir dann nach dem Mittagspicknick per Shuttle an die Catseye-Beach, wo wir einen gemütlichen Nachmittag verbrachten. Dann ging es per Shuttle zurück und dann Kleider waschen, (Schmiere vom Aussenborder…) mal wieder duschen (unser Schiff hat “nur” 1000 Liter Wasser an Bord und das sollte ein paar Tage halten).

Wir genossen am nächsten Morgen nochmals eine Dusche im Hafen von Hamilton Island, stockten unseren Brotvorrat auf, frühstückten und meldeten uns dann im Hafen ab.

Wir umrundeten Hamilton Island, durchquerten die Fitzalan Passage Richtung Osten und befanden uns dann bald in offenem, ungeschützten Gewäss er, wo die Fahrt wegen anderthalb Meter hohen Wellen mal wieder recht ruppig wurde. Die SeaAssta durchquerte Wellentäler und -höhen und kämpfte sich rollend gegen seitliche Wellen. Die ganze Crew hielt sich tapfer. Den kniffligen, weil sehr schmalen und mit Strömungen und Flut-Ebbe-Wellen gespickten Solway Pass durchquerten wir ohne Probleme und ab da wurde es dann wieder um einiges ruhiger. Kurz darauf erblickten wir die so berühmte Whitehaven Beach, mit ihrem 7-Kilometer langen, weissen Sandstrand. Zum Ankern brauchten wir in diesem pulverweissen Sand nicht weniger als 5 Versuche. Anschliessend fuhren wir mit dem Dingi zum Strand, um die weisse Pracht aus der Nähe zu erleben. Feiner und reiner kann Sand wirklich nicht sein. Es knirscht richtiggehend beim Laufen. Lena und Yael bauten mit Begeisterung Sandburgen und hüpften in die heranrollenden Wellen. Nachdem die Boote mit den Tagesausflüglern die Bucht verlassen hatten, mussten wir uns diesen herrlichen Platz nur noch mit einer Handvoll anderer Leute teilen, die ebenfalls am selben Ort ankerten. Wir kochten, assen Nachtessen und waren alle völlig k.o. Das Seemannsleben scheint müde zu machen. Bald ging ein oranger Mond über der Insel-Silhouette auf und beschien einen menschenleeren, ewig langen, Puderzuckerstrand.

Der Montagmorgen präsentierte sich grau und windig und der Seegang lud gar nicht zu einem erneuten Landgang ein. Zudem war das Geschaukel nachtsüber ziemlich heftig geworden, so dass wir mehrfach nach dem Anker sehen mussten und unser Bett so hin und her schaukelte, dass es schwierig war dabei zu schlafen. Unsere SeaAssta ist vieles - aber kein ruhig liegendes Schiff… Entsprechend war dann frühmorgens die Stimmung seeeehr mässig. Die Kinder wollten an Land, der Dingi-Chauffeur fand das bei über 20 Knoten Wind und übet 50 cm hohen Wellen zu heikel, Christine wollte Sonne, die Wetterprognose war schlecht…Wir hoben dann Anker und fuhren in erstaunlich ruhigem Wasser eine knappe Stunde zur Tongue Bay. Hier erwischten wir eine von drei Murings (schwimmende Boje zum Anlegen) und da Wind und Seegang entgegen allen Prognosen sogar abgenommen hatten fuhren wir ans Ufer. Wir wanderten dann auf eine Aussichtsplattform, wo uns dann die ganze Whitehaven-Beach zu Füssen lag. Fehlte nur noch die Sonne. Wir verbrachten noch eine Weile am Strand vom Hill-Inlett, dann trieben uns Flut und die ersten Tropfen zurück aufs Schiff. Hier hörte Christine, dass uns jemand anfunkte, aber wir wussten nicht wer und es folgte kein neuer Anruf, daher nahmen wir an, sie hätte sich verhört. Wir warfen also die Maschine an, und fuhren dem schlechten Wetter davon.

Nach einer gutem Fahrtstunde durchquerten wir die enge Hookpassage und stellten fest, dass auf der andern Seite der Whitsunday-Insel der Wind massiv stärker war (nicht wie eigentlich prognostiziert schwächer) und, da wir nach der Passage die Richtung gewechselt hatten, erwischte uns nun das schlechte Wetter voll. Der Skipper hielt im Ölzeug Kurs, Christine brachte die Mädchen unter Deck. (Hin und wieder wurde das Wetter so übel, dass Hansruedi an Trockene kam, aber in der Kabine sieht man wenig und hat kein GPS…) Endlich bogen wir in die Macona-Bucht ein - und überfuhren um ein Haar eine Meeresschildkröte. Zum Glück tauchte sie ganz knapp vor uns noch ab, in der engen Passage hatten wir wenig Ausweichmöglichkeiten. Leider hatte der Wind kräftig aufgefrischt und zudem gedreht, so dass wir nach Rücksprache mit dem Vermieter entschieden, einen andern Ankerplatz anzulaufen. Dabei fragte uns der Vermieter, ob wir eine Kamera vermissen würden - es sei drum eine gefunden worden und eine der letzten Fotografien zeigte die SeaAssta. Der Jubel des Skippers ging allerdings bei Beaufort 5 bis 6 und ziemlich heftigem Regen etwas unter.

Ein Stunde lang fuhren wir direkt in den Wind hinein, was toll aussah aber zum Glück unser Schiff ohne viel Geschaukel hinter sich brachte. Am späten Nachmittag erreichten wir den Ankerplatz vom Freitag wieder. Der war gegen den heftigen Wind gut geschützt und wir verbrachten einen ruhigen Abend.

Der Dienstag begann wieder grau und mässig. Erst gegen Mittag schob sich dann die Sonne durch die Wolken. Da unsere Maschine täglich etwa 3 Stunden laufen sollten um die Batterien zu laden und wir unsere Abwassertanks nicht gerade dort spülen wollen, wo 20 andere Schiffe vor Anker lagen, entschieden wir uns für ein Picknick an einem nahen Strand. Wir waren noch einer guten Stunde dort, allerdings brauchten wir drei Anläufe, den Anker zu setzen. Schlechter Grund, Wind und etwas enge Platzverhältnisse machten die Sache nicht einfacher. Wenn dann noch Korallen in der Nähe sind und Ebbe, dann macht man das lieber richtig, sonst sitzt man mit etwas Pech recht bald auf und das wollen wir doch dieses Mal auslassen…Hier erlebten wir den dramatischsten Moment des Tages - wenn nicht der Reise: Lenas geliebte Chinderhuis-Schirmmütze ging über Bord und das Schiff fuhr drüber! Maschine abstellen, Bootshaken packen und rausfischen - uff. Lena war dann so besorgt, dass die Mütze nun nur noch unter Deck mitfahren durfte…Damit wir besser beobachten konnten, ob der Anker nun hielt, assen wir an Deck und schauten zum hübschen Strand rüber. Die ganze, tolle, tropische Bucht hatten wir für uns alleine. Leider war die Zeit nun schon zu fortgeschritten und wir verzichteten darauf, zum Strand überzusetzen. Kaum hatten wir das Picknick abgeräumt, kam es schon dunkel den Hügel runter und der hübsche Traumstrand verlor im Regen seinen Reiz. Anker auf und wieder ging es durch den Regen. Zum Glück war aber dieses Mal der Wind nicht heftig und schon 10' später liess es nach, so dass wir am Schluss sogar fast trocken einlaufen konnten.

Eigentlich wollten wir ja am Mittwoch auf Daydream Island ein paar Stunden verbringen und dann schon in Abell Point Marina einlaufen und dort das Schiff abgabefertig machen. Daydream hat allerdings nur wenige Murings und einen nicht so idealen Ankergrund, so entschieden wir uns relativ spontan für Long Island und die Happy Bay. Die Fahrt über die Whitsunday Passage verlief angenehm ruhig und in Happy Bay hatte es Murings. Allerdings war unser Seil so kurz, dass es nur mit viel Kraft auf Deck zu hieven war. Und das schon bevor die Flut Höchststand hat…? Wir wasserten das Dingi und schipperten an den Strand. Das Ressort ist recht unkompliziert, wer ankert statt die Murings belegt kann gratis bleiben und den Pool, WC und Duschen gratis nutzen, natürlich in der Hoffnung, dass die Yachties dann auch noch gleich die Bar und die Küche unterstützten…Hansruedi traute der kurzen Muringleine nicht (bei Flut hätte die Siesta entweder die Tonne losgerissen oder hätte mit dem Bug unter Wasser ausgesehen wie Titanic kurz vor Mitternacht…). Während die Frauen die Sonne und den Strand genossen, ging er ankern. Danach gab es eine Kleinigkeit zu essen und wir beschlossen spontan die Nacht in der Happy Bay zu verbingen, dafür aber früh loszufahren. So genossen wir den Pool, Sprudelwanne und den Strand, Christine machte mit den Mädels eine Kayak-Runde - und die Kids dann noch gleich eine alleine.

Unterdessen setzte die Ebbe ein und unser Beiboot lag schon regelmässig auf dem Trockenen, wir schoben es etliche Male weiter hinaus, die Bucht war drum ziemlich flach und 10 cm Wassertiefe machte schnell 5 m trockenen Grund…

Schliesslich genossen wir einen Drink, schauten dem Füttern der Papageien zu, wieder eine Dingi-Tour um SeaAsstas Ankerlicht zu setzen, dann gönnten wir uns auch noch das Nachtessen unter Palmen, SeaAssta dümpelte in der Bucht und das Dingi lag am Strand. Strand? Hmm, dummerweise war gerade Niedrigwasser und unser Boot lag auf dem Trockenen. Wir marschierten los und hatten dann das Vergnügen einhundert Kilo Boot und Aussenmotor rund 60 m durch den Schlamm zu ziehen. Zum Glück war Nacht, da sah es keiner… Endlich war es tief genug, dass die Mädchen drin sassen, aber bis dann auch die Erwachsenen sassen (ohne dass das Boot aufsetzte) dauerte es. Und dann war noch mal 100 m lang der Aussenborder das Problem, der alle paar Momente an Steinen anstiess. Nun, wir hätten auch sitzen bleiben und auf die Flut warten können…  Auf dem Schiff war dann noch Grossreinemachen angesagt und Packen, schliesslich warteten uns am nächsten Tag noch 20 km Fahrt und wir sollten um 10 Uhr das Schiff im Hafen abgeben.

Am letzten Tag standen wir etwas früher auf als sonst: packen, Kinder wecken und frühstücken, Abwasch, klar Schiff machen… Um halb acht hiess es Anker lichten, dann fuhren wir in rund 2 Stunden über ein glattes und ruhiges Meer nach Airlie Beach zurück. Wir liefen in den Hafen ein, dort wartete schon John, der Besitzer und brachte uns zuerst zum Tanken und dann an den Liegeplatz. Dann räumten wir die SeaAssta aus, Kehricht entsorgen und Rückgabe-Protokoll. Via Büro und Glacestand ging's dann daran Dusty wieder zu laden.

Am nächsten Tag wollten wir die Whitsundys auch noch von oben sehen. Wir fuhren zum Flughafen, wo uns Jürgen in Empfang nahm. Er erklärte uns das Wichtigste in Kürze, dann kletterten wir an Bord einer Cessna. In einer halben Stunde flogen wir das gesamte Gebiet ab, welches wir uns nun eine Woche lang “er-fahren ” hatten. Yael fand, von oben sei alles noch viel schöner.  Das Geschaukel hingegen kam SeaAssta schon recht nahe. Frisch gelandet fuhren wir nach Abell Point zurück und besuchten hier unsere Charterfirma, heute sollte nämlich auch unsere Kamera von ihrer Reise zurückkommen. Nach einigem Warten war es dann soweit, wir konnten sie wieder in Empfang nehmen. Wir waren den ehrlichen Findern, die sich sehr angestrengt hatten uns aufzustöbern sehr dankbar. Wir haben sie zwar nie persönlich zu Gesicht bekommen, sie haben uns aber ein Bild auf der Kamera hinterlassen (we found U).


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